Torwart-Schule, Thomas Moter KSG Georgenhausen - Michael Langer

 

"Bei uns herrscht Teamgeist"

FSV-Ersatztorhüter Michael Langer, 25, die Nummer zwei beim FSV Frankfurt in der 2. Bundesliga im Gespräch mit der Taunus Zeitung




Taunus Zeitung, Ausgabe 11.11.2010

Herr Lanqer, wer steht an diesem Samstag im Heimspiel gegen Union Berlin im Frankfurter Tor?
Natürlich Patric Klandt. Das steht außer Frage, weil er bisher sehr gute Leistungen gezeigt hat.

Fehlt Ihnen der Ehrgeiz?
Das hat damit nichts zu tun. Natürlich will jeder Torwart spielen. Aber man muss auch Respekt vor seinem Konkurrenten haben. Es wäre vermessen von mir, irgendwelche Unmutsäußerungen kundzutun. Ich bin Realist genug und weiß, dass ich mich im Moment hinten anstellen muss. Meine Aufgabe ist, mich über das Training anzubieten.

Haben Sie sich schon zu sehr mit Ihrer Situation abgefunden?
Nein. Nach meinem Verständnis ist Konkurrenzkampf sehr gut. Ich darf mich jedoch nicht selbst runterziehen. Mein Verhältnis zu Patric ist sehr gut. Im Training puschen   wir   uns   ge-genseitig.   Und   das soll auch so bleiben. Die Zeiten von Oliver Kahn und Jens Lehmann, in denen nicht   miteinander gesprochen wurde, sind vorbei.

Sind Sie womöglich der geborene zweite Torwart in einer Profimannschaft?
Das denke ich nicht. Manche    bekommen die Chance, sich früher zu beweisen. Andere hingegen kriegen sie später. In Freiburg hatte ich diese Chance. Damals habe ich sie nicht genutzt. Aber ich habe sehr viel gelernt. Und jetzt arbeite ich auf meine nächste Chance hin.

Braucht man eine starke Persönlichkeit, um mit Ihrer Situation umgehen zu können?

Man hat immer wieder Höhen und Tiefen. Mal geht es einem besser, mal schlechter. Im Großen und Ganzen wächst man aber mit der Situation in den Jahren. Für mich ist es wichtig, das Positive in meiner Lage zu sehen. Man merkt, glaube ich, auch im Training, dass ich Gas gebe und mich weiterentwickle.

Wann kommt ihre Chance?
Das ist schwer zu sagen. Im Tor kann eben nur einer spielen. Ich muss an mir arbeiten und warten - und wenn der Tag dann gekommen ist, muss ich auf den Punkt fit sein, um meine Chance zu nutzen.

Bereitet es Ihnen Probleme, zu wissen, dass sich Ihnen die Chance vielleicht nur dann bietet, wenn sich Patric Klandtverletzen würde?
Eine Verletzung wünsche ich niemandem. Auf so etwas würde ich nie hoffen.

Was geht in Ihrem Kopf vor, wenn sich Patric Klandteinen Patzer leistet?
Ganz ehrlich: Ich leide da mit. Denn ich weiß, wie es in so einer Situation ist. Das ist kein schönes Gefühl. Die Torhüter sind eine spezielle Gruppe. Sie sind immer ein bisschen auf sich allein gestellt. Da wächst man im Team, zu dem auch Pablo Alvarez gehört, zusammen. Wir sind gewissermaßen eine Dreiercombo.

Wer erreicht mehr? Derjenige, der wie Sie die Ruhe bewahrt. Oder der, der auch mal seine Ungeduld zum Ausdruck bringt?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Geduldige am Ende besser dasteht als derjenige, der auf den Putz haut. Auf dem Torwartmarkt gibt es sehr vielgute Torhüter. Nicht mehr viele können sich aussuchen, wohin sie gehen und was sie machen. Im vergangenen Jahr haben hier auch einige ihren Unmut geäußert. Und jetzt sind sie nicht mehr da. Ich bin kein Freund davon, Unruhe zu stiften, weil ich vor meinen Kollegen Respekt habe. Und weil man heute nur noch als Mannschaft etwas erreichen kann. Das unterscheidet uns vielleicht auch von so manch anderem Zweitligisten.

 

Vergleichen Sie sich mit Klandt?

Von seinem Kollegen schaut man sich immer einen Teil ab. Was kann er, was ich nicht kann und umgekehrt. Was ich mir von Patric abgeschaut habe, möchte ich aber für mich behalten.

 

Ihr Vertrag lauft bis 2012. Würden Sie beim FSV auch ein zweites Jahr die Rolle des Ersatztorhüters einnehmen?

Was im kommenden Sommer passiert, werden wir sehen.

 

Zu lange darf man nicht zweiter Torwart sein, oder?

Das sehe ich auch so. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht unbedingt spielen möchte.


Geboren: 06.01.1985 in Bregenz (Österreich) ● Nationalität: österreichisch ● Größe: 193 cm • Gewicht: 87 kg ● Rückennummer: 25 ● Vereine: SC Freiburg , VfB Stuttgart, Viktoria Bregenz, FC Hard ● Erstligaspiele: 1 / Zweitligaspiele: 14

Stand November 2010



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