Torwart-Schule, Thomas Moter KSG Georgenhausen - Patric Klandt

 

 

"Ich möchte der beste Torwart der Liga sein"

Patric Klandt, 26, die Nummer eins beim FSV Frankfurt in der 2. Bundesliga im Gespräch mit der Taunus Zeitung.


Taunus Zeitung, Ausgabe 25.11.2009


Ist Ihre unerschütterliche Ruhe im Tor angeboren oder antrainiert?

Ich bin ein sehr, sehr ruhiger Typ. Es ist schwer, mich aus der Ruhe zu bringen. Als Torwart darf man auch nicht zu hektisch sein. Ich muss der Mannschaft Ruhe vermitteln.

 

Wie Oliver Kahn neigt Jens Lehmann manchmal zu Überreaktionen auf dem Platz. Warum ist Ihnen so etwas fremd?

Weil ich mich auf das Wesentliche konzentriere. So etwas brächte mich aus der Ruhe, wenn ich mich darauf konzentrieren würde, zum Beispiel den Schuh eines Gegenspielers wegzu-schmeißen.

 

Haben Sie ein Vorbild?

Ja, nach wie vor Oliver Kahn. Er war ein außergewöhnlicher Torhüter. Seine ganzen Erfolge und seine Ziel-strebigkeit faszinieren mich. Deswegen ist er mein Idol.

 

Was könnte Sie denn auf dem Platz aus der Ruhe bringen?

Normalerweise Gegentore - aber nur für den kurzen Moment, bis der Schiedsrichter wieder anpfeift.

 

Wie lange beschäftigt Sie ein Gegentreffer?

Damit darf man sich überhaupt nicht beschäftigen. Klar fragt man sich kurz, ob man den Ball hätte halten können.

 

Kratzt das in diesem Moment an Ihrem Selbstvertrauen, wenn Sie am Gegentor schuld sind?

Das ist schwierig. Eigentlich darf es das nicht. Einen guten Torhüter zeichnet es aus, dass er bei einem Fehler so weiterspielt, als wäre nichts passiert. Fehler muss man komplett ausblenden.
 

Darf man als Torwart Selbstzweifel haben?

Nein. Das würden auch die Mit- oder Gegenspieler merken, wenn du selbst an dir zweifelst. Und wenn man Angst hätte, könnte man wohl auch nicht zu hundert Prozent seine Leistung bringen.

 

Das heißt, der Torhüter Patric Klandt denkt immer "Ich bin stark"?

Na, klar. Man muss immer mit der Einstellung in das Spiel gehen, heute bekommt der Gegner keinen Ball in mein Tor - und dass ich der Beste im Tor bin. Mein Ziel ist es, der beste Torhüter der zweiten Liga zu sein.

 

Muss man als Torwart Egoist sein?

Ein bisschen vielleicht schon. Aber nicht in den 90 Minuten auf dem Platz. Da musst du dich wie jeder andere Spieler in die Mannschaft einbringen.

 

Gab es in Ihrer Karriere einen Moment, in dem Sie dachten, irgend-etwas läuft schief!

Gerade die Zeit in Rostock war nicht einfach für mich. Am Anfang war ich nah dran, zu spielen oder zumindest auf der Bank zu sitzen. Danach wurde ich jedoch überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Höhepunkt war das Spiel in Leverkusen in der ersten Liga. Perry Bräutigam wurde auf die Bank gesetzt und ich musste zu Hause bleiben. Da kamen schon Zweifel auf. Damals hat mir die Familie viel Kraft gegeben.

 

Wie schwer ist es, wenn man als Torwart spürt, dass der Trainer einem nicht mehr vertraut?

Damit umzugehen, ist schwierig. Ich denke, ich habe in Rostock auch nicht schlechter gehalten als beim FSV. Mitspieler haben mir dort immer gesagt, dass sie es manchmal auch nicht verstanden haben, warum ich so abgeschlagen nur Torhüter Nummer drei war. Aber der damalige Trainer Frank Pagelsdorf schätzte offenbar nicht so den Torwarttyp Klandt.

Empfinden Sie Druck oder kennen Sie gar keinen Druck?
Druck muss sein und ist sehr wichtig. Ich kann nur meine volle Leistung bringen, wenn ich diesen Druck spüre. Wenn man zu locker ist, neigt man zur Überheblichkeit.

Kann sich ein Feldspieler in die Lage eines Torwarts versetzen?
Überhaupt nicht. Viele sagen immer, Torhüter hätten es einfach. Weil sie z. B. die läuferischen Sachen nicht so mitmachen. Da höre ich öfter, „Ach, ich wäre gerne Torhüter" . Machst du aber als Torwart nach einem guten Spiel in der 90. Minute einen Fehler, bist du der Depp. Als Feldspieler hingegen kannst du dich vielleicht immer mal ein bisschen verstecken. In der Rolle des Torwarts geht das gar nicht.


Geboren: 29.09.1983 in Frankfurt am Main ● Nationalität: deutsch ● Größe: 185 cm • Gewicht: 78 kg ● Rückennummer: 1 ● Vereine: Hansa Rostock, SV Wehen Wiesbaden, Eintracht Frankfurt, VfR Kesselstadt, Sportfreunde Frankfurt ● Zweitligaspiele: 46

Stand: November 2009


 

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