Torwart-Schule, Thomas Moter · KSG Georgenhausen - René Renno

 

 

 

Ohne Torwarttraining geht es nicht

René Renno, 29, ist Torhüter beim VfL Bochum. Er schreibt über den Alltag eines Profikeepers und analysiert die Bedeutung von Torwarttrainern auf dem Weg ins Profigeschäft.

Torwart Zeitschrift, Ausgabe 01/2009 (torwart.de)

Ohne Torwarttrainer geht es nicht. Kein Verein kann es sich heute noch erlauben, ohne einen speziell geschulten Übungsleiter für die Schlussleute auszukommen. Erst ein Torwarttrainer verleiht dem Torhüter den nötigen Feinschliff und ist gleichzeitig eine wichtige Bezugsperson. Für mich war es immer entscheidend dass ein Torwarttrainer selbst mal im Kasten gestanden hat. Nur so kann er sich in die Lage von uns Torhütern versetzen.

Meiner Meinung nach sollten sich die Vereine bereits ab der D-Jugend diesen speziellen Übungsleiter leisten. In diesem Alter beginnen Torhüter, sich systematisch weiterzuentwickeln. Ich habe mit sechs Jahren angefangen, Fußball zu spielen und das Talent war schnell erkennbar. Mein damaliger Jugendtrainer bei Norden-Nordwest 98 Berlin hieß Frank Spieß, ein engagierter Mann, der nach den normalen Trainingseinheiten noch spezielles Torwarttraining für mich anbot. Er gab mir den Rat, den Verein zu wechseln, um mich noch weiterzuentwickeln.

 

1990 ging ich zum großen Nachbarverein Hertha BSC, wo ich in der C-Jugend meinen ersten offiziellen Torwarttrainer hatte, Uwe Zschische. Er war für mich Kontaktperson, Ratgeber und Kritiker in einem. Umso bedauerlicher war es, dass ich in der B- und A-Jugend keinen eigenen Übungsleiter hatte, denn der Verein wollte schlicht die Kosten für einen Torwarttrainer einsparen. Aus heutiger Sicht kann ich das nur als Fehlentscheidung bezeichnen, denn gerade in den letzten Jugendjahren nehmen Torhüter eine wichtige Entwicklung.

 

Mir persönlich fehlte auch die Bezugsperson, mit der ich mich über mein Spiel unterhalten konnte. Vielleicht hätte ich noch mehr aus mir herausholen können. Herthas damaliger Trainer Jürgen Röber erkannte allerdings mein Talent, 1998 bekam ich meinen ersten Profivertrag und vor allem: einen Torwarttrainer. Enver Maric, der ehemalige Welttorhüter, arbeitete hart mit uns und ich musste feststellen, dass mir einige entscheidende Feinheiten zu einem guten Torhüterspiel fehlten. Die trainerlosen Jahre in der Jugend machten sich bemerkbar. Dank meines Ehrgeizes und der Ratschläge von Marie konnte ich diese Defizite ausgleichen. Alles, was er mir vermittelte, saugte ich quasi wie ein Schwamm in mich auf. Aus heutiger Sicht war es Marie, der mir den entscheidenden Schliff für meine Karriere gab.

Zur Saison 2000/01 holte mich Mirko Slomka zu Tennis Borussia Berlin. Allerdings war der Club in einer schwierigen Lage: Es drohte die Insolvenz und am Ende der Spielzeit stiegen wir ab. Trotzdem hatte ich durch gute Leistungen überzeugt und erhielt ein Angebot von Wattenscheid 09, wo ich in Werner Scholz einen hervorragenden Torwarttrainer hatte. Er war für mich als jungen, unerfahrenen Keeper ein Fixpunkt, an den ich mich jederzeit wenden konnte. Noch heute haben wir Kontakt und nicht selten gibt er mir weiterhin wertvolle Ratschläge.

 

Nach zwei Spielzeiten unterschrieb ich einen Vertrag bei Rot-Weiß Essen. In der ersten Saison erhielt mein Konkurrent Sascha Kirschstein den Vorzug, mit drei Einsätzen konnte ich dennoch meinen bescheidenen Beitrag zum Aufstieg leisten. In der zweiten Liga erkämpfte ich mir schließlich den Stammplatz und machte den VfL Bochum auf mich aufmerksam. 2005 folgte der Wechsel zum Reviernachbarn. Der VfL hat mit Peter Greiber einen sehr guten Torwarttrainer, der sich für die Nachwuchskeeper einsetzt und mit ihnen harte Extraschichten schiebt. Eben jene Einheiten, die mir in der Jugend fehlten. Ich habe inzwischen meinen Traum verwirklichen können: 2007 folgte das erste Bundesligaspiel. Elf Erstligapartien sind es bislang geworden, einige sollen noch dazukommen. Ein Traum, der auch durch meine Torwarttrainer erst wahr gemacht werden konnte.
 

Geboren: 19.02.1979 in Berlin ● Nationalität: deutsch ● Größe: 186 cm • Gewicht: 78 kg ● Rückennummer: 31 ● Vereine: VfL Bochum, Rot-Weiß Essen, SC Wattenscheid 09, Tennis Borussia Berlin, Hertha BSC Berlin, Norden-Nordwest 98 Berlin ● Bundesligaspiele: 11 ● Zweitligaspiele: 35

Stand: Januar 2009

 Thomas Moter     René Renno

 

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